Armes reiches Deutschland

Armut gibt es auch in Deutschland. Immer häufiger können die Bundesbürger nicht mal mehr ihre Stormrechnung bezahlen. Das löst einen Kreislauf aus, in dem immer weiter neue Schulden entstehen.

„Armut gibt es in Deutschland nicht“, hört man oft. Das ist nicht nur falsch, es verharmlost auch noch eine Problematik, die viele Menschen in Deutschland betrifft. 12,5 Millionen arme Menschen leben hierzulande, so Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Deutschland. Eine ohnehin schon erschreckende Zahl; noch tragischer wird es im Hinblick auf die Problematik der Stromzahlungen.

Wer ein geringes Einkommen erhält, für den sind die Strompreise oftmals eine große Belastung. Im Jahr 2013 wurden sieben Millionen Menschen die Sperrung der Stromversorgung angedroht. Durchgeführt wurden 344.798 – ein Rekordwert seit Beginn der Erhebung durch die Netzagentur. Die damit anfallenden Mehrkosten vergrößern das Problem systematisch. Wem der Strom gesperrt wird, muss erhebliche Kosten dafür zahlen, die die eigentliche Schuldenlast noch erweitern. Manchmal sind Sperre und erneute Aktivierung des Stroms von den Kosten ähnlich hoch wie die eigentlichen Schulden. Ein Kreislauf entsteht, aus dem viele Geringverdiener nur schwerlich herauskommen.

Über 14.000 Fälle in Hamburg

Wie uns die Vattenfall Europe Metering GmbH mitteilte, gibt es allein in Hamburg jährlich rund 14.000 Stromsperren. Für unzählige Menschen heißt das oftmals für Tage, wenn nicht gar Wochen: Ein Leben im Dunkeln. Länder wie Frankreich, Belgien oder Großbritannien verhindern oder schränken per Gesetz ein, dass sogenannten hilfsbedürftigen Menschen keine Stromsperre widerfährt. Das ist sogar in der Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinie der EU festgelegt. Allein: Deutschland führt in Europa die meisten Stromsperren durch. Traurig, aber wahr.

Wer kaum Geld für eine menschenwürdige Existenz zur Verfügung hat, wird durch die Stromsperrung an den Rand der Verzweiflung getrieben. Ohne Strom läuft heutzutage nichts. Küchengeräte, Computer, Licht, ein normales Leben ist nicht möglich. Wer es schafft, das Geld aufzubringen oder beispielsweise eine Ratenvereinbarung ausmacht, wird dennoch für die Mehrkosten der Sperre aufkommen müssen.

Geld für Essen fehlt

Weitere erschreckende Zahlen kommen von der Statistik-Behörde Eurostat: Ein Drittel der Bevölkerung hat keine Rücklagen für unerwartete Ausgaben, ein Viertel fährt nie in den Urlaub, weil dafür kein Geld vorhanden ist. Acht Prozent der Bevölkerung scheitern daran, jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit zu bezahlen – auch dafür fehlt das Geld.

Obwohl Deutschland vielen Menschen mit einem Sozialsystem unter die Arme greift, heißt das nicht, dass hierzulande Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. Besonders Alleinerziehende, Rentner und Minderjährige sind von Armut betroffen.

Das sind Fakten, die betroffen machen.

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